Dom zu Lübeck

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Mehr als Trümmer und Zerstörung

Neue Dauerausstellung über die Geschichte des Doms im Glockenturm

Aus einer Fotowand ist eine moderne Ausstellung geworden: Nach langen Vorarbeiten hat die Lübecker Domgemeinde nun eine Ausstellung über die Geschichte des Doms im Nordturm realisiert. Bei der Finanzierung dieses Vorhabens halfen vor allem die Stiftung Dom zu Lübeck, aber auch die Possehl Stiftung, Gemeinnützige Sparkassenstiftung und viele Gemeindemitglieder. Eröffnet wurde sie am Sonntag, 6. Juli nach dem Gottesdienst.

Wo früher mehrere großformatige Fotos einen Eindruck von der Zerstörung nach Palmarum 1942 boten, gibt es heute nur noch ein Foto über die wohl größte Zäsur in der Geschichte des Doms. Zu sehen sind die Gewölbebögen des Ostchores, aus denen die Birken in den Himmel wachsen. Ein Bild, das lockt und das für viele Lübecker noch in Erinnerung ist. Jahrzehnte haben die Ruinen das Domviertel geprägt. Erst ab 1962 wurde der gänzlich zerstörte Dom wieder aufgebaut. An Palmarum 1942 hatten Bomber die Hansestadt in Schutt und Asche gelegt, die Türme der Innenstadtkirchen standen in Flammen.

Der Ostchor sollte gar nicht wieder aufgebaut werden. Doch die Gewölbe stürzten ein, es wurde gefährlich mitten in der Stadt. An dieser Stelle trat die Stiftung Dom zu Lübeck auf den Plan. Engagierte Lübecker und Hamburger wollten ihre Kirche wieder aufbauen – und zwar ganz.
Die Stiftung hat die neue Ausstellung im Dom maßgeblich finanziert. Dazu kamen viele kleine und große Spenden von Privatleuten und Stiftungen.

Der letzte Schliff: Dompastorin Margrit Wegner und Carlos Blohm schauen noch einmal auf die Pläne der neuen Ausstellung. Foto: Ines LanghorstZwei Jahre lang hat die Gemeinde gesammelt – Geld und Ideen. Diesen Prozess hat Carlos Blohm begleitet. Der Flugzeugbauingenieur ist in Rente und engagiert sich schon seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Domgemeinde. Der Kirchenpädagoge führt Touristen durch die Kirche und arbeitet im Kirchengemeinderat mit. Für seinen Dom hat er die letzten Monate zudem jeden Tag die Baustelle betreut, Pläne und Vorgaben der Denkmalpflege im Hinterkopf.

Entstanden ist ein Raum im Raum. Neben dem Foto gibt es zwei Stelen, in denen Bildschirme eingelassen sind. Per Knopfdruck können die Besucher derzeit 14 Themen  starten. Von der Gründung des Doms bis zum Gemeindeleben heute erzählen die Präsentationen in Text und Bild. Auch die Zerstörung des Doms ist Thema, schließlich ist sie die wohl größte Zäsur in der mehr als 800-jährigen Geschichte. Aber die Gemeinde will zeigen, dass der Dom mehr ist als Trümmer und Gedenken. Die Gründung beispielsweise gibt es nun auch im Bild. Der Lübecker Heinz-Joachim Dräger hat die Sage illustriert. Bilder und Text sind über die Stelen zu sehen.

Wiederaufbau, Neustart ins Gemeindeleben, Miteinander: Das alles symbolisiert das Modell vom Wiederaufbau des Doms. Frisch gereinigt steht es in der Ausstellung im Turmraum. Über einen Film erklärt der Architekt Friedhelm Grundmann, wie der neue Dom ab 1962 neu geordnet worden ist. Der Modell des Altars beispielsweise ist lose, Grundmann und sein Team haben über einen langen Zeitraum ausprobiert, wo er hingehört. Ebenso die Taufe.

Die Ausstellung im Dom ist minimalistisch aber inhaltlich vielschichtig und bietet Lübeckern wie Touristen interessante Ansatzpunkte. Und wer einfach nur einmal einen Moment sitzen möchte, für den gibt es eine Bank. Natürlich nicht irgendeine: Die Kirchenbank ist alt, aus Holz, mit schön geschnitzten Wangen – an einer Stelle ist sie schwarz, angesengt, verkohlt. Ein Zeugnis aus der Vergangenheit mitten im aktuellen Domleben.

Text: Ines Langhorst  (Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg;Pressestelle)
 

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