Dom zu Lübeck

Der Dom (Foto: Alexander Jensko)

Geschichte

Domus Dei, der Lübecker Dom

Dom - nennen wir diese alte Kirche - domus dei - Haus Gottes. Wir haben Dome - Kirchen - Gotteshäuser, nicht damit Gott irgendwo wohnen kann, sondern damit Menschen Orte haben, an denen sie zusammenkommen, um den Alltag zu unterbrechen, sich auf eine andere Dimension zu besinnen, um still zu werden oder sich in die Gemeinde einzufügen.

Menschen bauten Kathedralen. Sie taten es zum Lobe Gottes, sie erprobten zugleich ihr technisches Können - und sie bauten Kathedralen, weil diese Türme, die das Bild der Stadt von weitem bestimmten, der Stadt ein weithin sichtbares unverwechselbares Gesicht gaben und gemeinschaftsstiftenden Charakter haben. Menschen haben vor 825 Jahren den Lübecker Dom und die anderen Lübecker Kirchen in einer Gegend gebaut, in der vorher kaum Menschen wohnten, in Ausmaßen, die alle Erwägungen der Nützlichkeit weit hinter sich lassen.

Da wurde eine Stadt aufgebaut, eine Stadt, die sehr bald zu großen wirtschaftlichen Hoffnungen Anlaß gab und das Reich gegen Norden und Osten stärken und erweitern sollte. Aber man konzentrierte keineswegs alle Kräfte auf die Entwicklung von Hafenanlagen, Kaufmannshäusern etc, sondern ging mit einem unwahrscheinlichen Kräfteaufwand daran, diese großen Kirchen zu bauen. Die Wohnhäuser waren damals klein. Sie waren aus Holz und Lehm gebaut, aber für die Kirchen wählte man von vornherein ein anderes Material: den Backstein, da es hier im Norden ja keinen Haustein gibt. Einen Dom wollte man bauen: 90 m lang, über 30 m breit, in den Türmen 60-70 m hoch. Mit steinernen Gewölben in 20 m Höhe.

Siebzig Jahre haben die Menschen daran gearbeitet bis der Dom in seiner romanischen Gestalt fertig war, sie folgten Plänen, sie hatten eine Idee. Sie bauten einen Dom, und die, die 1173 damit begonnen haben, mussten wissen, dass sie die Fertigstellung nicht erleben würden. Kaum war er 1247 geweiht, begann man 15 Jahre später mit dem Bau der Paradiesvorhalle, und wenig später begann die Erweiterung des Doms nach Osten. Kapellen wurden angefügt, Kunstwerke gestiftet, das Mauerwerk muß bis heute in regelmäßigen Abständen ausbessert werden. Fast immer steht irgendwo ein Gerüst. Ein Dom ist noch im Bau, denn er steht zugleich für die Kirche, die noch im Bau ist.

Bei Luftaufnahmen ist es am deutlichsten noch zu erkennen, dass die Baumeister damals in den Boden der noch gar nicht so stark bewohnten Stadt ein Kreuz in den Boden zeichneten, 6 Joche lang, drei Joche breit, dazu Turmbereich und Apsis. Der Lübecker Dom, ein Haus Gottes, eingezeichnet in die diesseitige Welt. Wenn man eintrat und die Gesänge hörte, tat sich eine andere, die himmlische Welt auf.

Die Geschichte des Doms

Die Geschichte des Lübecker Doms ist aufs engste mit Heinrich dem Löwen, Herzog von Sachsen, verbunden. Er sorgte für eine Klärung der Machtverhältnisse im Raum nördlich der Elbe. In unserem Bereich war Graf Adolf von Schauenburg sein Lehnsmann. Graf Adolf betrieb eine überaus eifrige und erfolgreiche Siedlungspolitik. Boten warben in allen Landen um Siedler für die dünn besiedelten Gebiete. Graf Adolf hat auch anstelle des 1138 durch die Slawen zerstörten Altlübeck auf der günstig gelegenen Halbinsel zwischen Trave und Wakenitz einen Handelsplatz gegründet, der wieder den Namen Lübeck erhielt. Heinrich der Löwe konnte die Stadt nach einer Feuersbrunst von Graf Adolf übernehmen. Damit ist die Neugründung Lübecks im Jahr 1159 möglich geworden.

Heinrich der Löwe wurde zum großzügigen Förderer der Stadt und ihres Handels im Ostseeraum. Bereits ein Jahr nach der Neugründung Lübeck wurde der Bischofssitz nach Lübeck verlegt. Heinrich der Löwe wies dem Bischof im Süden der Stadt ein Gebiet für den Bau eines Domes und für die Häuser der Kanoniker zu. Zunächst wurde im Bereich des heutigen Doms eine Holzkirche gebaut, die 1163 geweiht wurde. Dann begannen die Pläne für die große steinerne Kathedrale, zu der 1173 der Grundstein gelegt wurde. Da man keine Natursteine in dieser Gegend zur Verfügung hatte, wählte man als Baustoff den Backstein. Es war ein romanischer Bau.

Eine kreuzförmige Basilika. Die Seitenschiffe hatten ursprünglich nur die halbe Höhe. Zwischen den großen Pfeilern standen kleinere Zwischenpfeiler, die die Außenwand trugen. 1247 ist der Dom geweiht worden, Patrone sind Johannes der Täufer und Nikolaus. Unmittelbar darauf wurde dem Dom auf der Nordseite, zur Stadt hin gelegen, eine große Vorhalle angefügt, das Paradies, und 1266 begann die große Erweiterung des Domes nach Osten. Der alte romanische Dom endete etwa bei der Glaswand.

Für das größer gewordene Dom-Kapitel und die Geistlichkeit am Dom war der Chorraum zu klein für die Tageszeitgottesdienste, man brauchte einen großen Raum, und so wurde dem alten Dom ein gotischer Kathedralchor angefügt. Vom Ostchor her wurde auch der romanische Dom dem neuen Stil entsprechend umgestaltet. Die Seitenschiffe wurden höhergeführt. Die Wände des Obergadens wurden herausgebrochen, die Zwischenpfeiler abgerissen. Aus der romanischen Basilika wurde eine weite, lichte Hallenkirche. Seitenkapellen wuchsen im Laufe der Zeit noch dazu.

Zerstörung und Wiederaufbau

In der Nacht zum Palmsonntag (29. März) 1942 brannte die alte Hansestadt und mit ihr drei große Kirchen: St. Marien, St. Petri und der Dom. Sprengbomben verwüsteten den gotischen Chor. Alle Dächer verbrannten. Das an den Süderturm anschließende Seitenschiffgewölbe stürzte ebenso ein wie der größte Teil des Chorgewölbes über dem Hochaltar... Die Fenster waren zersplittert, Feuer zerstörte die große Orgel, den größten Teil des Gestühls, den Hochaltar, Schrankenwerke und viele andere Kostbarkeiten. Verkohlt war der obere Teil des Triumphkreuzes und halb verbrannt der Schalldeckel der Kanzel. Der kostbare Passionsaltar von Hans Memling (1491) und andere Kunstwerke blieben wunderbarerweise erhalten.

Sicherungs- und Wiederaufbaumaßmnahmen kamen nur langsam in Gang. Bis 1950 sind alle 17 gotischen Gewölbe eingestürzt. Der Chor schien verloren. Nach der Zerstörung der Kirchen St. Marien, Dom und St. Petri hat man gefragt, ob es richtig sei, dass man diese großen Räume wiederherstellen sollte. St. Marien ist 1951 fertig geworden! - in einer Zeit, wo man damit zu tun hatte, für die vielen Flüchtlinge Wohnungen zu bauen. Aber die Bürger haben Geld gesammelt, gestiftet, um das Bild der Stadt wieder entstehen zu lassen, das Bild der Stadt mit den sieben Türmen, und auch heute sind Lübecker Bürger und Freunde der Stadt aufgerufen, die alten Kirchen zu erhalten.

Beim Wiederaufbau des Domes, besonders des Chores, wurde man an das Ausmaß der Bauzeiten des Mittelalters erinnert. Von 1960 bis 1977 dauerte der Wiederaufbau des gotischen Chores, 1982 wurde die Paradiesvorhalle fertiggestellt.

Doch die Langsamkeit hat auch Vorteile. So konnte ein Plan reifen, den Innenraum so zu ordnen, wie es dem Feiern des lutherischen Gottesdienstes entspricht. 1970 wurde der Dom so eingerichtet, wie er heute zu sehen ist: Ein schlichter Sandsteinaltar, nur um eine Stufe erhöht, ist dem Triumphkreuz zugeordnet. Um den Altar gliedert sich das Gestühl kreuzförmig in vier Blöcken. Die Gemeinde ist als Familie Gottes verstanden, die sich um den Tisch des Herrn versammelt. Altar und Kanzel sind einander nahegerückt, die Orgel hängt ganz in der Nähe der singenden Gemeinde. – Das alte Taufbecken von 1455 hat seinen Platz im ehemaligen romanischen Chorhaupt gefunden und wird von einem Bankrund umkreist.

Die neugestaltete Ausstellung im Norderturm zeigt in einer Präsentation in Bildern und Text, den Ausmaß der Zerstörung des Domes. Es ist wie ein Wunder, wie viele Kunstwerke den Brand des Domes überstanden haben.

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