Dom zu Lübeck

Die Gemeinde

Flüchtlingshilfe am Dom zu Lübeck

Flüchtlingshilfe am Dom


Seit Juli 2015 werden Flüchtlinge in der ehemaligen Seefahrtsschule in der Wallstraße untergebracht, inzwischen leben dort 60 Menschen, überwiegend Einzelpersonen. Die Betreuung vor Ort erfolgt durch die Gemeindiakonie. In der Domgemeinde entwickelte sich rasch der Wunsch, diese Flüchtlinge auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Zu einer ersten Informationsveranstaltung im September kamen ca. 40 Interessierte aus allen Altersgruppen (16 bis 85). Die vielfältigen Anregungen mündeten in 4 Themenfelder: Geldspenden, Sachspenden, Deutschunterricht, sonstige Aktivitäten.
Am 03.Okt. haben wir die Flüchtlinge und ihre Betreuer zu einem gemeinsamen Frühstück ins Gemeindehaus Mühlendamm eingeladen. Diese erste Begegnung hat uns mit großer Zuversicht erfüllt. Sehr bewegend haben wir dabei die große Hilfsbereitschaft gerade unserer Seniorinnen und Senioren mit ihren persönlichen Fluchterfahrungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit erfahren.

Was ist inzwischen aus unseren Themenfeldern geworden?
Ein Flyer zur Information für Besucherinnen und Besucher des Doms und eine Haushaltsstelle im Haushalt der Domgemeinde waren rasch geschaffen. Mit 2 Kollekten und großzügigen Spenden steht uns ein sehr gutes finanzielles Polster für unsere weiteren Aktivitäten zur Verfügung.
Eine Kleiderbörse am 24. Oktober, verbunden mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken hat den Flüchtlingen neben einer weiteren persönlichen Begegnung die Möglichkeit gegeben, sich mit Winterkleidung, Küchenutensilien und Spielzeug für die Kinder zu versorgen. Ansonsten organisieren wir Sachspenden dort, wo sie konkret erforderlich sind.

Viele unserer Helferinnen und Helfer bieten Deutschunterricht an, aus dem Wissen heraus, dass Sprachkompetenz die wichtigste Voraussetzung für eine gelingende Integration darstellt. Gelassenheit, Geduld und eine gute Portion Frustrationstoleranz sind gefragt, da unsere „Schüler“ durchaus abweichende Vorstellungen von Zuverlässigkeit und Zeitmaß haben und unsere Zeitplanung regelmäßig durcheinander bringen. Inzwischen gibt es  vielfältige Deutschkursangebote verschiedener Bildungsträger, die mit großem Engagement wahrgenommen werden. Wir werden unsere eher niedrig schwelligen Angebote entsprechend anpassen. Unsere Stärke liegt darin, dass wir in Einzel- oder Kleingruppenbetreuung wesentlich besser auf unterschiedliche Vorbildungen und Lernmöglichkeiten eingehen und dadurch das in den offiziellen Kursen Gelernte vertiefen können.

Einige Flüchtlinge haben die Einrichtung bereits wieder verlassen. Soweit sie in Wohnungen in Lübeck umziehen, werden wir - soweit gewünscht - eine Fortsetzung unserer Begleitung anbieten und parallel die neuen Bewohner begleiten können.

Ein Beispiel dazu: Familie C. aus Albanien erreichte Lübeck mit einer hochschwangeren Frau. Eine Helferin organisierte gemeinsam mit einer muttersprachlichen Übersetzerin Besuche in den geburtshilflichen Abteilungen. Eine andere besorgte eine vollständige Babyerstausstattung für diese Familie. Alles ist gut gelaufen, Familie und Säugling sind wohlauf und inzwischen in eine kleine Wohnung in der Innenstadt umgezogen. Hier erhalten sie weitere Familienbetreuung, auch dieses mit Unterstützung unserer Helferinnen.

Fast täglich erreichen uns neue Informationen, Fragen  und Anregungen. Besuche in der Einrichtung, Gespräche mit den Flüchtlingen, mit den Betreuern, mit den Helfergruppen sind zu koordinieren. Wichtig sind uns ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch unter den Engagierten in der Domgemeinde und soweit erforderlich konkrete Unterstützungsangebote für die Helferinnen und Helfer. Vor uns liegt ein langer Weg!

Isabel Kriegeskotten-Thiede / Cornelia Schäfer (Koordination Flüchtlingshilfe Dom).

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