Dom zu Lübeck

Die Gemeinde

Besonderes Kirchengeld

Eine besondere Form der Kirchensteuer in glaubensverschiedener Ehe

Die Basis der Finanzierung kirchlicher Arbeit sind die Gaben der Kirchenglieder. Die Höhe dieser Gabe richtet sich grundsätzlich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Kirchengliedes. So zahlen Kirchenglieder, sofern sie lohn- oder einkommensteuerpflichtig sind, ihren Mitgliedsbeitrag in Form der Kirchensteuer. Die Kirchensteuer beträgt neun Prozent von der festgesetzten Lohn- bzw. Einkommensteuer. Kirchensteuern zahlen also nur diejenigen, die auch Lohn- oder Einkommensteuer zahlen.

Von der Kirchensteuer zu unterscheiden ist das so genannte besondere Kirchgeld (also nicht das „freiwillige Kirchgeld“). Die Nordkirche (wie auch alle anderen evangelischen Landeskirchen und die meisten katholischen Diözesen) erhebt ein besonderes Kirchgeld bei Kirchenmitgliedern, die in glaubensverschiedener Ehe leben. Eine glaubensverschiedene Ehe liegt vor, wenn der Ehegatte eines Kirchenmitgliedes keiner Religionsgemeinschaft oder keiner kirchensteuerberechtigten Religionsgemeinschaft angehört.

Wie bei der Kirchensteuer dient auch das besondere Kirchgeld dazu, die Mittel, die zur Erfüllung der kirchlichen Angebote benötigt werden, auf alle Mitglieder der Kirche entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu verteilen. Beim Kirchgeld ist die Bezugsgröße der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit das gemeinsame zu versteuernde Einkommen der Eheleute. Voraussetzung ist also die steuerliche Zusammenveranlagung der Eheleute. Die Wahl der Veranlagungsart treffen die Ehegatten mit der Abgabe der Einkommensteuererklärung. Sofern das Kirchenmitglied im Rahmen des Lohnabzugsverfahrens bereits Kirchensteuer auf das eigene Einkommen entrichtet hat, wird diese Kirchensteuer auf das besondere Kirchgeld angerechnet.

Es kann daher zu Nachzahlungen kommen, wenn die im Lohnabzugsverfahren entrichteten Kirchensteuern geringer sind als das festgesetzte besondere Kirchgeld. Das wird von einigen Kirchengliedern als ungerecht empfunden („Wieso muss ich noch zusätzlich Kirchgeld bezahlen, wenn ich doch schon Kirchensteuer zahle?“). Dementgegen haben das Bundesverfassungsgericht und der Bundesfinanzhof mehrfach festgestellt, dass als Grundlage für die Berechnung des besonderen Kirchgeldes der sogenannte Lebensführungsaufwand dient. Das heißt: das Kirchenmitglied hat ggf. eine höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit als es sein individuelles Einkommen anzeigt. Denn es hat durch die Zusammenveranlagung der Einkommen am gemeinsamen Einkommen der Eheleute teil. Mit der Einführung des besonderen Kirchgeldes (in der ehemaligen Nordelbischen Kirche 1979, in anderen Landeskirchen bereits früher) wurde zudem eine Gerechtigkeitslücke geschlossen. Vorher haben Kirchenglieder in glaubensverschiedener Ehe keine (oder nur geringe) Kirchensteuer gezahlt, obwohl sie auf Grund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit dazu in der Lage waren, sich an der Finanzierung kirchlichen Lebens zu beteiligen.

Alternative: Wenn sich die Eheleute entscheiden, sich steuerlich getrennt veranlagen zu lassen, dient nur das Einkommen des Kirchenmitgliedes als Berechnungsgrundlage seiner oder ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. In diesem Fall würde das gemeinsame Einkommen der Eheleute keine Rolle mehr spielen.

 

Da sich der individuelle Lebensführungsaufwand nicht in jedem Einzelfall ermitteln lässt, wird er aus dem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen der Ehegatten typisierend hergeleitet. Die Kirchgeldtabelle ist so aufgebaut, dass etwa 1/3 des gemeinsamen zu versteuernden Einkommens dem Kirchenmitglied zugerechnet wird. Das Kirchgeld bleibt deutlich hinter dem Zuschlag zur Einkommensteuer zurück, der bei der Zusammenveranlagung in konfessionsgleichen oder konfessionsverschiedenen Ehen als Kirchensteuer hälftig auf jeden der beiden Ehegatten entfällt.


aus:https://www.nordkirche.de/service/kirchensteuer/besonderes-kirchgeld.html

Zum Seitenanfang